Medien und Schule

Das Bild, der Ton und das Netz

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09.03.2020

Rechtsrap – oder: „Volk“ und „Nation“ im Rechtsextremismus

„Den linken Meinungskorridor gilt es kontinuierlich zu verschieben. Da sind gerade wir Metapolitiker gefragt. Es gilt immer wieder Worte einzubringen, die dann debattiert werden, die früher vielleicht unmöglich gewesen wären. So können wir diesen Korridor Stück für Stück verschieben.“

– Chris Ares: Chris Ares im UNBLOGD-Video vom 28. August 2018

Musik spielt im rechtsextremen Milieu seit jeher eine große Rolle, da sie identitätsstiftend wirkt. Als Teil der Popkultur unterliegt sie jedoch einem stetigen Wandel und sie beginnt sich selbst neu zu erfinden. Während in der altrechten Szene selbst Rechtsrock eine sicher nicht zu unterschätzende Wirkung hat (vgl. https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/185063/braune-toene-elf-rechte-bands-im-ueberblick), ist diese Musik nur bedingt geeignet, neue Mitglieder zu rekrutieren. Aus diesem Grund versuchen neurechte Künstler zunehmend auch massentauglichere Musikformen zu übernehmen, um so neue Mitglieder auf ihre rassistischen Ziele auf sich aufmerksam zu machen. Zahlreiche positive Kommentare und z.T. Klickzahlen in Millionenhöhe belegen das diese Strategie durchaus erfolgversprechend sein dürfte.

Facebook-Post des Rappers Komplott: NS-Propagandabild vom „Kalender des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP“ von Ludwig Hohlbein 1938

Die vorliegende Unterrichtseinheit beschäftigt sich mit dem Musiker Komplott (bürgerlich Patrick Bass) und analysiert beispielhaft an „Gestern und Morgen“, wie völkische Botschaften in Text und Bild in neuem Gewand verpackt werden. Da das Lied frei von offen verfassungsfeindlichen Symbolen ist, ist es kaum möglich, juristisch dagegen vorzugehen. Ähnlich problematisch ist, dass zum Entschlüsseln der rechten Botschaften eine gewisse Analysefertigkeit und geschichtliches Vorwissen von Nöten sind, die bei gefährdeten Jugendlichen nicht immer vorhanden sein dürften. Da das Video durchaus technisch und musikalisch gekonnt produziert wurde besteht hier ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential. Mit Klickzahlen von mehr als 1,3 Millionen hat „Gestern und Morgen“ eine enorme Reichweite entwickelt.

Die Zielsetzung des vorliegenden Unterrichtsentwurfes ist es daher exemplarisch die Sprache rechtsextremer Musik zu analysieren und die SuS für ihre Inhalte und Wirkabsichten zu sensibilisieren.

Eine ganz besondere Rolle spielen in diesem Kontext auch die die Thesen der Identitären Bewegung die im vorliegenden Musikstück immer wieder in Form von Zitaten in Wort und Bild aufgegriffen und damit verteidigt werden.

Kurz und Knapp

Inhalt:                  Die SuS erarbeiten in intensiver Text- und Videoarbeit die Inhalte eines rechtsextremen Musikvideos (Komplott – „Gestern und Morgen“). Auf Grund ihres geschichtlichen Hintergrundwissens sind sie in der Lage, das Video unter Zuhilfenahme von vertieften Recherchestrategien visuell zu dekonstruieren und die Methoden der Manipulation aufzudecken

Zielgruppe:         Gymnasium, Geschichtsunterricht Q11/Q12 (reduziert auch bereits in JG 9 denkbar)

Dauer:                 2-4 Schulstunden (Doppelstunden empfehlenswert)

Ausstattung:      PC mit Internetanschluss auf Seite der SuS, gegebenenfalls auch mit Smartphones möglich

Lehrplanbezug

„Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.“  (Art. 131 Abs. 1 mit 3 BayVerf)

Artikel 131 der bayerischen Verfassung legt ganz deutlich die Grundsätze der gymnasialen Bildung fest und rückt damit auch die Präventionsarbeit gegenüber politischem Extremismus in den Vordergrund. Dieser Bildungsauftrag lässt sich bei den SuS der gymnasialen Oberstufe vortrefflich mit dem Geschichtsunterricht verknüpfen: Hier bieten insbesondere die Lehrplankapitel 11.2.2 „Hitlers willige Volksgenossen“ oder aber auch 12.1.2 „‘Volk‘ und ‚Nation‘ als Identifikationsmuster“ Anknüpfungspunkte für die vorgestellte Stundensequenz, da sowohl die Elemente der „Volksgemeinschaft“ im zu analysierenden Video, als auch der Begriff des „Volkes“ als Ergebnis germanischer Ursprungsmythen aufgegriffen werden.

Projektvorbereitung

Da die Videos bereits aufbereitet vorliegen, liegt es an der Lehrkraft, die Materialien vor Durchführung der Stunde zu sichten und sich mit der neurechten Bewegung und insbesondere der Identitären Bewegung inhaltlich auseinanderzusetzen. Empfehlenswert ist hierzu die Broschüre des Bundesamtes für Verfassungsschutz Niedersachsen (PDF Download, Stand 2017), die jedoch noch nicht beinhaltet, dass die IB seit Juli 2019 vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch und verfassungsfeindlich eingestuft wird.

Für die Durchführung des Quizzes (s. Link „Stundenverlauf“ unter Materialien) wird ein Google Account benötigt, das Quiz sollte dazu in den eigenen Account kopiert werden um die Ergebnisse auswerten zu können.

Materialien

Nachfolgend sind alle Materialien verlinkt, die für die Durchführung der Stunde benötigt werden. Die Materialien enthalten auch einen tabellarischen Stundenverlauf mit weiteren didaktischen Überlegungen.

  1. Stundenverlauf
  2. Schüler-AB Texterarbeitung
  3. Talmud-Zitat
  4. Handout Volk und Nation

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