Medien und Schule

Das Bild, der Ton und das Netz

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27.03.2020

Plötzlich digital unterrichten – ein Zwischenbericht

Nachdem bereits am Donnerstag, 12.03.2020 absehbar war, dass die Schulen bald (sehr bald!) zur Eindämmung des Coronavirus geschlossen werden würden, gab ich den Kindern meiner zweiten Klasse zum Glück noch schnell den Auftrag, bis zum nächsten Tag die E-Mail-Adressen ihrer Eltern mitzubringen und nutzte den Nachmittag dafür, einen Wochenplan für die erste Woche zu Hause fertigzustellen. Der erste Schritt in Richtung Digitalisierung des Unterrichts war somit getan. Den Wochenplan für die erste Woche sowie einige Arbeitsblätter gab es am Freitag gleich in Papierform mit nach Hause, nachdem im Laufe des Tages klar wurde, dass in der kommenden Woche kein Präsenzunterricht mehr stattfinden würde.

Der Start in den digitalen Unterricht

In der Woche darauf legten die Kinder (wie auch ich) im Home Office los. In Kontakt stehe ich mit den Eltern per E-Mail – ich sende ihnen täglich am Nachmittag die Lösungen des Tages, sodass die Kinder am nächsten Tag mit der Selbstkorrektur ihrer Aufgaben vom Vortag beginnen können. Auch Links zu Lernvideos, die ich für den nächsten Tag mit einbeziehe, sende ich den Eltern immer am Vortag. Wichtig ist mir auch, dass die Eltern mich bei Problemen oder Fragen jederzeit per Mail erreichen können, damit ich sie zurückrufen und Fragen am Telefon klären kann oder auch einfach als Ansprechpartnerin für die Kinder da sein kann.

Digital unterrichten – welche Tools/Apps/Programme können helfen?

Folgende Programme nutzt meine Klasse (zweite Klasse Grundschule) nun regelmäßig, teils sogar täglich, um nicht nur Arbeitshefte und Arbeitsblätter zu Hause zu bearbeiten (da Drucker lange nicht in jedem Haushalt verfügbar sind!), um in Kontakt zu bleiben und eine direkte Rückmeldung über die Lernerfolge zu bekommen:

  • Antolin: Antolin ist ein Onlineprogramm, in dem zu sehr vielen Büchern Quizze zu finden sind, die das Leseverständnis von Kindern trainieren. Es ist eine Lizenz dafür erforderlich, dann können Klassen/Schüler angelegt werden und es können Texte zugewiesen werden. Die Lehrkraft hat auch die Möglichkeit, den Kindern auf der Plattform Nachrichten zu schreiben. Mit Antolin arbeitet meine Klasse schon das gesamte Schuljahr, bisher aber zusätzlich zum regulären Unterricht und ist daher erfahren. Nun setze ich jede Woche einen Lehrwerkstext (Lesebuch) mit in den Wochenplan, zu dem die Kinder zu Hause das Quiz lösen sollen. Außerdem findet man auf Antolin auch Nachrichtentexte, zu denen nicht nur das Quiz, sondern der gesamte Text online steht. Diese Funktion nutze ich gerne als zusätzliche Aufgabe für besonders fleißige Kinder.
  • Zahlenzorro: Zudem arbeitet meine Klasse schon seit September mit dem Programm Zahlenzorro, für das ebenfalls eine Lizenz erforderlich ist, und übt dort das Rechnen. Auch hier hat die Lehrkraft die Möglichkeit, den Kindern Aufgaben zuzuweisen (etwa eine bestimmte Einmaleinsreihe oder Additions-/Subtraktionsaufgaben) oder die Kinder wählen die Aufgaben frei.
  • ANTON: In der kostenlosen ANTON App findet man zu sehr vielen Inhalten des Lehrplans passende Übungen. Auch in dieser App habe ich für meine Klasse eine Gruppe angelegt, sodass ich den Kindern die Aufgaben zuteilen kann, die zum jeweiligen Wochenplan passen. Die App ist wirklich sehr übersichtlich und mit vielfältigen Übungen gestaltet. Neben Aufgaben aus den Fächern Deutsch und Mathematik gibt es in ANTON auch die Fächer Sachunterricht und Musik und Deutsch als Zweitsprache.
  • sofatutor: Wie vorher schon erwähnt, sende ich den Kindern oft passende Erklärvideos mit, damit sie vor der Bearbeitung der Aufgaben eine Möglichkeit haben, die Inhalte erklärt zu bekommen. Derzeit gibt es einen Sofatutor-Account für Lehrkräfte sogar kostenlos. Als Lehrkraft habe ich wiederum die Möglichkeit, Links für die Schüler zu generieren, über die diese dann ebenfalls kostenlos auf die Videos zugreifen können. Nach den sehr ansprechend gestalteten Videos gibt es auch immer passende Übungen zu den Inhalten.
  • Zoom: Um wirklich mit den Kindern in Kontakt zu bleiben, nicht nur mit den Eltern, biete ich einmal wöchentlich eine freiwillige Klassenkonferenz über Zoom an. Zoom ist ein Videokonferenzsystem, in dem nur ich als Veranstalter einer Konferenz einen Account brauche und den Teilnehmern einen Link senden kann, der diesen die Teilnahme ermöglicht. Für eine Teilnahme über das Smartphone muss zuvor die Zoom App heruntergeladen werden. In meiner Klasse finden die Videokonferenzen immer freitags statt, damit wir gemeinsam die Woche reflektieren können und die Kinder eine Möglichkeit haben, mit mir und miteinander in Kontakt zu bleiben. Konferenzen bis 40 Minuten am Stück sind kostenlos.
  • padlet: Eine zusätzliche Möglichkeit, um Inhalte mit der Klasse zu teilen, bietet padlet. Ein padlet ist eine Art digitale Pinnwand, in der Links zu Websites, Bilder, PDF-Dateien, Videos oder Hördateien hochgeladen werden können. Für das padlet kann auch ein Passwort angelegt werden, damit nur die eigene Klasse darauf zugreifen kann. Ich habe auf dem padlet für meine Klasse vor allem Tipps zu sinnvollen Websites gesammelt.

Und was, wenn es kein passendes Erklärvideo gibt?

Da es auf den bekannten Videoplattformen nicht immer genau die Videos gibt, die man sich als Lehrkraft für die eigene Klasse gerade wünscht, kann man natürlich auch selbst kreativ werden! Auch ich habe schon mein erstes eigenes Erklärvideo für meine Klasse gedreht. Sehr hilfreich war dafür meine „DIY-Dokumentenkamera“ (siehe Bild; mehr Infos dazu gibt es auf meinem Instagramprofil). Ansonsten braucht man eigentlich nur ein Smartphone, Papier und Stift und los geht’s! Für das leichtere Teilen meiner Videos mit den Eltern habe ich mir einen YouTube-Kanal angelegt. Hier hat man auch die Möglichkeit, Videos „privat“ hochzuladen, sodass wirklich nur die Personen Zugriff darauf haben, mit denen man das Video teilen möchte.

Zwischenfazit

Meine persönliche Zwischenbilanz zum Home Office/Homeschooling bisher ist, dass ich durch die erzwungene Digitalisierung zwar vor viele neue Herausforderungen gestellt wurde und werde, mir jedoch auch die Möglichkeit gegeben wird, mich intensiv in verschiedene Wege einzuarbeiten, wie der Fernunterricht vorübergehend gelingen kann.

Problematisch sehe ich, dass nicht jedes Kind die Mittel hat, dem digitalen Unterricht auch zu folgen – oft teilen sich mehrere Geschwister ein mobiles Gerät, auf dem die Aufgaben erledigt werden sollen.

Ich freue mich auf hoffentlich viele weitere Beiträge! Am meisten profitiere ich momentan nämlich von dem Austausch mit anderen Lehrkräften, die sich ja momentan alle in derselben Situation befinden, Lösungen suchen und finden.

Regina Rippl
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Kommentare

Gerhard Endres am

Das erlebe ich auch so

Angelika Spörl am

Danke für den hilfreichen Artikel. Hier sind die sinnvollen digitalen Möglichkeiten zusammengefasst, die ich zu Teil auch in mühsamer Sucharbeit gefunden habe. Hier so schön gebündelt und erläutert.. schicke ich gleich meinen Kollegen.

    Regina Rippl am

    Vielen Dank für die Rückmeldung! Es freut mich sehr, dass der Artikel so hilfreich für Sie ist!

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