Medien und Schule

Das Bild, der Ton und das Netz

Audioprojekt: Feldpostbriefe

Kurz & Knapp

Zielgruppe: Gymnasium, Geschichtsunterricht Jahrgangsstufe 8 (auch in JG 9 oder 10 denkbar)

Dauer: ca. 6 Schulstunden (Doppelstunden empfehlenswert)

Ergebnisse: 1 vertonter Feldpostbrief/ 3 Schüler

Ausstattung: PCs mit Audacity

Das Projekt wurde mit Schülern des Staatlichen Gymnasiums Holzkirchen durchgeführt.

Jetzt verlöschen die Lichter in ganz Europa. Wir werden sie nie wieder in unserem Leben brennen sehen.

Sir Edward Grey, Englischer Außenminister von 1905-1916

Lehrplanbezug

Zahlreiche Zielsetzungen des Lehrplans der achten Jahrgangsstufe werden in diesem Geschichtsprojekt aufgegriffen und z.T. vertieft behandelt:

Ganz allgemein nennt der Lehrplan das Ziel, die „Bereitschaft zu wecken, sich in andere hineinzuversetzen“ bzw. die Forderung fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben durchzuführen, die sich mit unterschiedlichen Perspektiven, dem Umgang mit Medien und der Welt der neuen Medien ganz allgemein auseinanderzusetzen.

Aus fachspezifischer Perspektive fordert der Lehrplan von den Schülern die selbständige Arbeit mit schriftlichen Quellen, das kritische Nutzen von Internet und fachspezifischer Software und das Präsentieren selbst erarbeiteter Ergebnisse.

Im Themenkomplex Imperialismus und Erster Weltkrieg wird u.a. die neue Dimension des Kriegs mit Stellungskrieg, Materialschlacht und Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung intensiv behandelt.

All diese Aspekte werden im Audioprojekt Feldpostbriefe intensiv thematisiert und erarbeitet.

Projektvorbereitung

Die Vorauswahl
Der besondere Reiz von Feldpostbriefen liegt darin, dass sie Kriege nicht aus der Perspektive der „großen“ Politik, sondern aus der Sicht der direkt betroffenen Menschen zeigen. In den Weltkriegen waren Feldpostbriefe (neben Paketen) de facto die einzige Möglichkeit mit der Heimat und den Lieben im Feld in Kontakt zu treten, damit stellten sie ein Kommunikationsmedium der breiten Masse da. Demzufolge sind auch heute noch viele Briefe erhalten und auch online in digitaler Form verfügbar – diese Ausgangslage ermöglicht es der Lehrkraft, interessante Briefwechsel zu sichten und bereits eine Vorauswahl zu treffen. Je nach zeitlichen Ressourcen wäre auch eine eigenständige Recherche der Schüler denkbar, allerdings benötigt diese sicher 90 Minuten oder länger.
Die Seite der Museumsstiftung Post und Telekommunikation bietet ein digitales Briefarchiv vom 18. Jh. bis zum Ende der DDR. Die Suchfunktion ermöglicht eine komfortable Suche nach intereressanten Texten.
Im Projekt bearbeiteten Schüler ausgewählte Briefe von Ernst Rasch, Waldemar Möller, Emil Bödermann, Julius Lauth, Rudolf Emmerich, Friedlich Worblewski und Adolf Treber.
Die Vorauswahl sichert, dass tragische Schicksaale und die Briefe Überlebender gleichermaßen gewürdigt werden und die Kinder sich nicht in zu langen Auszügen verlieren – gut machbar sind etwa zwei Din A4 Seiten, die die Lehrkraft zusammenstellen sollte.

Technische Voraussetzungen
Zur Durchführung des Projektes sollten mindestens 90, besser jedoch 180 Minuten Computerraum oder Tablet-Koffer gebucht werden. Die Arbeitsgeräte benötigen ein Programm zur Bearbeitung von Audiodateien – in meinem Fall das Freeware Programm Audacity. Grundsätzlich lassen sich auch andere Programme oder Apps nutzen – allerdings reichen selbst 180 Minuten nicht aus, um das Projekt zu beenden. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler auch zuhause am Projekt arbeiten können sollten. Da Audacity kostenlos, plattformübergreifend und ressourcenschonend ist, kann es beinahe auf jedem heimischen PC installiert werden.
Schülerseitig sollte ein Aufnahmegerät verfügbar sein – dies kann ein einfaches (USB-) Mikrofon für den PC oder ein Smartphone samt Headset sein.

Hilfestellungen für Schüler
Da das Audioprojekt mehrere Wochen Arbeitszeit umfasst, benötigen die Schüler Arbeitsblätter, auf die sie später zurückgreifen können. Ich habe mich entschieden, ein doppelseitiges Handout zur Bedeutung der Feldpostbriefe und dem Projektablauf zu erstellen. Um die Arbeit mit Audacity zu erleichtern, erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Arbeitsblatt, das eine Einführung in das Programm und einen Verweis auf weitere Tutorials liefert.
Auch wenn unsere Schüler Digital Natives sind, sind nur wenige von Ihnen mit Anwendersoftware jenseits von Messenger-Diensten oder Social Media Anwendungen vertraut. Hier ist also die Lehrkraft gefordert, die Schüler zumindest bei ihren ersten Schritten anzuleiten. Etwaiges Expertenwissen können sich die Schüler jedoch gerne selbst erarbeiten – dies ist nicht die Aufgabe der Lehrkraft.

 

Durchführung

Die Durchführung selbst gestaltet sich nach der aufwendigen Vorbereitung relativ einfach.

Vor der ersten Stunde an den Geräten sollte das Projekt vorgestellt und die Schülerinnen und Schüler in Gruppen eingeteilt werden. Da die Briefwechsel in der Regel nicht mehr als zwei Parteien umfassen, bieten sich Kleingruppen von zwei bis drei Schülern an. Da die Jugendlichen auch zuhause am Projekt arbeiten, sollten sie sich Partner suchen, die sie räumlich gut erreichen können.
Um die Computerzeit effizient zu nutzen, sollten sich die SuS bereits zuhause mit den Texten vertraut machen und im Idealfall bereits eine erste Aufnahme erstellen – ihnen sollte bewusst sein, dass die Lehrkraft nur in der Schule bei technischen Fragen Hilfe leisten kann.
Weiterhin müssen die Schüler auf das Mitbringen von Kopfhörern verwiesen werden!

In der ersten Stunde an den PCs benötigen die Schüler eine Einführung in Audacity. Für den Anfang ist es ausreichend, wenn die Lehrkraft die Grundfunktionen des Programms anhand des Handouts erläutert – in den folgenden Stunden werden die Schüler immer wieder Fragen zur Aufnahmetechnik und Verwendung des Programms haben.
Ein wichtiger Punkt ist das Speichern der Dateien – nur wenn die Schüler sich exakt an die Vorgaben des Arbeitsblattes halten, können sie auch zuhause problemlos an der Projektdatei arbeiten.

Während der Stunden an den Geräten sollte die Lehrkraft mit Tipps und Hilfestellungen zur Verfügung stehen. Schüler mit Handys sollten den Raum verlassen dürfen, um gegebenenfalls an einem ruhigen Ort zu arbeiten.
Erfahrungsgemäß fällt es einigen Schülern schwer, vor Schul-PCs konzentriert zu arbeiten – hier empfiehlt sich ein sanftes Ermahnen und Antreiben.

In der letzten Computerstunde kann es sinnvoll sein, nochmals auf die Bewertungskriterien und die Abgabefrist des Projekts zu verweisen – sollte eine Veröffentlichung der Dateien geplant sein, sind spätestens jetzt die Einverständniserklärungen der Schüler und eine Erlaubnis zur Veröffentlichung der Dateien notwendig.

Um die Projektergebnisse zu benoten, bietet sich die Verwendung eines Bewertungsrasters an.

 

Ergebnisse und Evaluation

Den Schülern gelang es – trotz der moderaten technischen Ausstattung – die Feldpostbriefe technisch und gestalterisch meist (sehr) ansprechend zu vertonen. Einige besonders gelungene Beispiele finden sich weiter unten.

Auffällig war, dass in der am Schuljahresende durchgeführten Unterrichtsevaluation einige Schüler das Audioprojekt als sehr interessant und als gelungene Abwechslung zum regulären Unterricht positiv erwähnten, während andere Schüler das Projekt kritisierten, da die technischen Herausforderungen die Fachinhalte überlagern würden. Für eine zukünftige Durchführung des Projekts sollte den Schülern somit auch die Bedeutung von Medienkompetenz nahe gebracht werden, um die Akzeptanz eines derartigen Vorhabens weiter zu steigern.

Aus meiner Sicht zeigen diese eher kritischen Anmerkungen jedoch auch, dass die Institution Schule bislang zu wenig Erfolge bei der Vermittlung von Medienkompetenz erzielt: Während Smartphones, Tablets und Computer als Zeitvertreib rege und intensiv genutzt werden, scheint es so, als ob Programme, die im schulischen Kontext genutzt werden, für manche Schüler noch ein Buch mit sieben Siegeln sind. Offensichtlich sehen viele Schüler die Aufgabe von Schule in der bloßen Wissensvermittlung in der Medienbildung kaum eine aktive Rolle spielt. Medienprojekte werden zumindest vereinzelt als nicht Unterrichtsbasiert und möglicherweise eher als Teil der privaten Lebenswelt wahrgenommen. Allerdings greift eine bloße Kritik des Nutzerverhaltens der Schüler deutlich zu kurz, da Medienerziehung in der Lehrerbildung der vergangenen Jahrzehnte nur eine geringe Rolle spielte. Umso wichtiger ist es, dass Schüler im Unterricht mit den unterschiedlichsten Programmen in Berührung kommen.

Hilfreiche Materialien

Handout: Projekteinführung

Handout: Erste Schritte mit Audacity

Beispiel für eine Einverständniserklärung

Beispiel für ein Bewertungsraster

Projekt Details

Autor
Ulrich Oberender
Ulrich Oberender
Erstellt am
30.06.2017
2

Kommentare

Isabell Dehner am

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Projekt klingt sehr spannend und ich bin sehr interessiert daran dies auch mit meinen Schülerinnen und Schülern umzusetzen. Leider verweigert es mir die Seite die Materialien abzurufen. Könnten Sie mir diese zusenden? Damit würden Sie mir wirklich sehr helfen!
Mit freundlichen Grüßen
Isabell Dehner

    Ulrich Oberender am

    Sehr geehrte Frau Dehner,

    vielen Dank für Ihren Hinweis – die Seite wurde vor kurzem technisch überarbeitet und dabei gingen wohl die Links verloren. Nun sollten sie wieder funktionieren.

    Ich würde mich über ein kurzes Feedback zum Erfolg des Projekts freuen.

    Ihnen einen angenehmen Start ins neue Schuljahr!

    Beste Grüße
    Ulrich Oberender

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