Wahlfach “Medienchecker” und deren Doku am “Tag der offenen Tür”

An der Staatlichen Realschule Memmingen wurde ein Wahlfach am Dienstagnachmittag mit dem Namen “Medienchecker” 9/2016 gegründet. Zu Beginn bekamen die Schüler eine Einführung in die Kameraeinstellungen.

Erste Einführungen sowie Erkundungen und Vertrautmachen mit der Ausstattung

Zu Beginn probierten sich die Schüler beim Fotografieren mit der Spiegelreflex-Kamera oder dem eigenen Handy  (Bring Your Own Device (BYOD)) aus. Im Anschluss lernten sie die verschiedenen  „Einstellungen“ beim Filmen und Fotografieren wie „Totale“, „Halbtotale“, „Nahaufnahme“, „Amerikanische“,.. kennen.

Was löst es beim Zuschauer aus, wenn ich von unten nach oben fotografiere (Froschperspektive)? Was wenn ich von oben auf eine Person “herabschaue” (Vogelperspektive)? Wir reflektierten fremde Filmausschnitte und den Einsatz dieser verschiedenen Einstellungen. Wenn die beabsichtigte Wirkung von Filmemachern erst einmal klar war, dann wurde ihnen auch die Lenkung bzw. “Manipulation” der Zuschauer klar!

Nach der Theorie durften die Schüler/innen gleich im Schulhaus und mit den Mitschüler/innen das Ganze ausprobieren. Ihre Film-Versuche wurden besprochen und reflektiert. Methodisch machte ich ein Rätsel und Ratespiel aus den Mini-Präsentationen der kleinen Schülerfilmchen.

Mit ausgeliehenen Reflektoren/ Diffusern übten die Schüler/innen die Basics beim Licht: Gegenlicht-Aufnahmen sind nicht von Vorteil. Wichtig ist die Blende richtig einzustellen oder auch Schlagschatten, beispielsweise in Gesichtern, bei Aufnahmen zu vermeiden!

Nicht nur im wahren Leben heißt es: „Der Ton macht die Musik“. Auch hier muss „der Ton stimmen“ und sie lernten wie mit (Ansteck- oder Hand-)Mikrofonen die Stimmen von Personen bei Castings im Musiksaal aufgenommen werden.

Übungen machen Meister bzw. "Medienchecker"

An einem weiteren Nachmittag kam der 5-shot als Unterrichtseinheit an die Reihe. Einstellungsgrößen und Perspektiven sollten in fünf Bildern oder Filmen hintereinander gesetzt werden mit einer klaren Aussage bzw. mit einem Höhepunkt.

Anschließend erarbeiteten die Schüler/innen wichtige Aspekte der Kommunikation bei Interviews. Offene statt geschlossene Fragen sollten gestellt werden, damit man viel vom Gegenüber erfährt. Wie sollte die Körperhaltung sein? Wie leite ich ein Interview ein und schließe es ab? Anhand eines Interviews mit der Schulleitung durften die Schüler/innen ihre toll formulieren Fragen gleich an den Mann bringen.

In mehreren großen Pausen führten die “Medienchecker” Castings mit Bewerbern bzw. Mitschüler/innen und Interviews durch, die in einem späteren Film einmal teilnehmen dürfen.

Umstieg auf iPads - hauptsächlich Partnerarbeit im Wahlfach

Nachdem acht Schüler auf eine Spiegelreflex-Kamera sich als schwierig gestaltete, habe ich  mehrere iPads organisiert. Fünf Stück konnte ich alle zwei Wochen für den Nachmittagsunterricht ausleihen.

Anschließend haben wir alles Gelernte nochmals mit iPads wiederholt. Es gab eine Kurzeinführung in die “Blume” und “Kamera” sowie “imovie”, um in Projekten die selbstgedrehten Filme und Fotos zu eigenen Movies zu schneiden.

Das Problem dabei war die Sicherung der erstellten Projekte bei imovie, damit man zeitversetzt weiter daran arbeiten kann. Datenübertragung via Air drop sowie über das Kabel waren leider vorab in den Einstellungen ausgeschlossen. Der Administrator konnte leider nur die geränderten Filme auf einer externen Festplatte sichern, so dass der Ton oder die Musik nur schwer wieder bei einer erneuten Bearbeitung zu verändern war. Aus Datenschutz-Gründen mussten alle Fotos und Filme vor dem weiteren Verleihen an andere Schulen leider gelöscht werden und darin besteht das Problem: Bei Projekten bezieht sich imovie auf die “Blume” und wenn dort keine Fotos und Filme mehr sind, ist auch das Projekt nicht mehr zu bearbeiten.

Und uns ein Konzept bzw. Ablauf für den Tag der offenen Tür überlegt.

Teams wurden festgelegt und der Auf-und Abbau von den Stativen wurde geübt, damit es schneller geht. Wer macht Kamerafrau/-mann? Wer übernimmt die Moderation und interviewt? Wer hält die selbst gebaute Tonampel, die wir aus einem Besenstil (aus dem Baumarkt) und Adapter sowie ein sechs Meter langen Klinke zu Klinke-Kabel bastelten? Wer baut die Stative vorab auf? Wo muss der Tonmann stehen, damit die Tonampel nicht im Bild ist?

Die Stative bekamen wir auch leihweise, damit die Filme und Fotos weniger verwackeln und die Schüler mit den iPads noch besser umgehen können.

Probe aufs Exempel - Tag der offenen Tür

Am „Tag der offenen Tür“ war die Probe aufs Exempel. Mit verschiedenen (iPad-)Stativen,  „Tonampel“, geliehenen iPads und Datenschutz-Erklärungen machte sich die Gruppe mit mir und dem ehrenamtlichen, erfahrenen Unterstützer Herr Wobig (Medienexperte der VHS Illertal) ans Werk.

Jedes Fach, das im Schulhaus ausstellte, sollte gefilmt und fotografiert werden. Dabei haben sie interessante Experimente dokumentiert oder Schülerplakate fotografiert.  Die „Medienchecker“  führten Interviews mit Besuchern, Lehrern, Schulleiter und dem ganzen Personal der Schule – wie der Ganztagsbetreuung, um tolle Eindrücke des Tags zu sammeln.

Jeder bekam dabei andere Aufgaben zugeteilt. Dabei nahmen die Schüler „Berufe“ und Aufgaben aus der Medienbranche wie Moderation, Kamerafrau/-mann, Tonassistenz, Regie, Sprecher/in, Cutter oder Aufnahmeleitung usw. ein. Es machte riesigen Spaß, das tolle Geschehen an unserer Schule festzuhalten.

Material sichten, bearbeiten und zu einem Doku-Film schneiden

Im Anschluss wurden Filme aus dem verwendbaren Film-und Fotomaterial mit den iPads und dessen Programm „imovie“ geschnitten. Der Höhepunkt bestand darin,  die Filme mit selbst verfassten Texten, also Kommentaren, im Hintergrund zu untermalen.

Ausschnitt aus dem Film (Collage der einzelnen Schülerfilme)

Es war ein spannendes Jahr, das sehr viel Spaß machte mit den Schülerinnen und Schüler, die fleißig  dabei waren. Fächerübergreifend mit dem Fach Deutsch konnten die „Medienchecker“ viele Kompetenzen praktisch erlernen und umsetzen, dabei entstanden tolle „Erinnerungen“ in Bild- und Tonform.

Reflexion

Es gab einige Hürden, die es zu nehmen galt. Erstmals wäre es wünschenswert ausreichend Ausstattung zu haben, um den Schüler/innen etwas an die Hand zu geben. Nachdem wir nur eine Spiegelreflexkamera hatten und Unruhe und Neid deshalb aufkam untereinander, bin ich auf iPads umgestiegen.

So konnten die Schüler/innen zu zweit ein iPad air 2 nutzen, damit sowohl fotografieren und filmen sowie schneiden und das meist intuitiv und oft selbsterklärend im Vergleich zur Spiegelreflex-Kamera.

Die Probleme mit BYOD der Datenübertragung und Sicherung sowie des Datenschutzes waren einfacher im Unterricht damit besser umzusetzen. Mit Air Drop konnten wir, wenn sie gut administriert sind, die Daten zwischen den Geräten wie iPad, iPhone und MacBook schnell hin und her schicken.

Es gilt den Ton noch zu verbessern und an schülernaher und praktischer Ausstattung noch nachzurüsten. Leider bin ich auf äußere Ressourcen dabei angewiesen. Es gilt einen noch bewussteren Umgang mit Medien den Schüler/innen zu vermitteln und ihnen auch aus der Perspektive der Konsumenten einen Blick auf die Filmindustrie und auf das Internet zu geben.

Weiterhin finde ich es gut, erstmal einen theoretischen Input vorab zu geben. Was sind gute Fragestellungen, wenn ich Personen interviewe? Was macht eine gute Story aus? Welche Kameraeinstellungen verwende ich mit welchen Ziel?

Die Erfolge sah ich bei den Schülern, die den Lehrern, Eltern und Grundschülern oder Mitschülern spontan Fragen stellten und diese wirklich Gehalt hatten und nicht nur geschlossen mit “Ja” oder “Nein” beantwortet werden konnten.

Meine Rolle als Lehrerin konnte ich nochmals ganz neu definieren und fand es gut, dass meine Schüler/innen zunehmend selbstständig arbeiteten. Ich gab hauptsächlich kurze Inputs, Demos und übernahm beratende und begleitende Tätigkeiten.

Insgesamt bin ich stolz auf meine Schüler, die die kleinen Filme (über zwei bis drei Fächern) selbst erstellt und mit Text  oder Off-Stimme sowie Musik unterlegt haben. Meine Aufgabe lag nur darin beratend, vormachen, zeigend, begleitend und lehrend tätig zu sein und den Gesamtfilm am MacBook zusammen zu schneiden.

Ich möchte mit dem Wahlfach “Medienchecker” kommendes Schuljahr, wenn möglich,  gerne weiter machen und weitere Projekte mithilfe von iPads in Angriff nehmen.

Schlagwörter: FotoSonstigesVideo

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