Radio Zungenbrecher – Einrichtung und Umsetzung eines Schulradios im Internet

Zur Begleitung des Schullebens ist ein Schulradio bestens geeignet: Es kann aktuell berichten, die Beteiligten selbst direkt zu Wort kommen lassen und den Zuhörern einen neuen Aspekt des Schulumfeldes präsentieren.
Im Vorfeld – und vor allem während der Produktion – gibt es verschiedenes zu beachten und zu bedenken. Viele Aspekte, die beim Radio machen eine große Rolle spielen, zeigen sich erst verhältnismäßig spät, können aber schon im Vorfeld durch gezielte Maßnahmen entschärft werden.

 

Konzeption

Ein so komplexes Unterfangen, wie es ein Schulradio darstellt, sollte nicht ohne vorherige, konkrete Konzeption angegangen werden. Gerade, wenn es gilt, eine eher skeptische Schulleitung davon zu überzeugen, einem Raum und Projektstunden hierfür zu genehmigen, ist ein kurzes „Treatment“, also eine Konzept-Zusammenfassung, sehr hilfreich.

In diesem Konzept, das einfach auch sehr hilfreich ist, um die Idee für sich selbst zu konzipieren, sollten folgende Aspekte abgedeckt sein:

  1. Wer kann teilnehmen?
  2. Wie regelmäßig können Sendungen produziert werden?
  3. Wie wird veröffentlicht?
  4. Welcher Stundenumfang/ Woche ist zu berechnen?
  5. Welches Material wird benötigt?
  6. Welchen Nutzen zieht die Schule aus dem Projekt Schulradio?

Im Falle des Schulradios Zungenbrecher sahen die Ideen so aus:

  1. Maximal 8 – 10 Teilnehmer des Wahlkurses, Klassen 7 -10

Zu viele Teilnehmer sind für eine ordentliche, regelmäßige Produktion eher hinderlich, da es sonst nicht genügend produktive Aufgaben für alle gibt. Die Klassen 5 und 6 sind bei meinem Schulradio ausgenommen, da diese Schüler zwar erfahrungsgemäß sehr enthusiastisch bei der Sache, aber bei der Umsetzung noch sehr unselbständig sind. Im Sinne einer zügigen, qualitativ zufriedenstellenden Produktion, beginnt die Radiogruppe daher erst ab der 7. Jahrgangsstufe.

  1. Planmäßig alle 1,5 – 2 Monate eine Sendung à 8 Minuten

Mit Produktion der Beiträge, Einsprechen der Zwischentexte und dem finalen Schnitt ist ein 2-Monats-Abstand recht realistisch. Dies hängt aber auch immer massiv von den teilnehmenden Schülern ab bei manchen geht es schneller, andere brauchen mehr Hilfe bei der Produktion.

  1. Veröffentlichung als Podcast im Internet über die Schulwebsite.

Die Präsentation der Sendungen auf der Schulwebsite ist sinnvoll und bereichert auch das dortige Angebot. Es gibt zwar andere Veröffentlichungskanäle, jedoch erwiesen diese sich für unsere Zwecke als zu kompliziert und unzuverlässig.

  1. 1 UE/ Woche

Wenn man ehrlich ist, ist klar, dass eine Wochenstunde niemals ausreicht. Mehr wird es zumindest zu Anfang jedoch nicht geben. Realistisch sind min. 2 3 Wochenstunden, die man investiert.

  1. Ein Computer mit Audacity, USB-Mikrofon und Aufnahmegeräte

Eine Übersicht ist in meinem entsprechenden Blog-Beitrag zu finden. Die meisten Materialien stammen hier aus meinem privaten Equipment, Schulanschaffungen sind aber überlegenswert, da ein Schulradio ein mehrjähriges Projekt ist.

  1. Das Schulradio ist eine starke Gelegenheit, die Außenwirkung und Präsentation, besonders mit neuen Medien, zu zeigen.

Ein Schüler-produziertes Schulradio auf der Homepage mit regelmäßigen Sendungen ist für jede Schule ein willkommenes Präsentations-Werkzeug.

 

Umsetzung

Für das Schulradio Zungenbrecher meldeten sich 8 geeignete Schülerinnen und Schüler, von denen 7 aus der siebten, ein Schüler aus der achten Jahrgangsstufe kommen. Das Verhältnis Mädchen – Jungen liegt bei 5:3.

In der ersten Besprechung wurde gleich geklärt, dass es keine festen Zuständigkeiten, wie nur Technik etc., geben wird. Jeder Teilnehmer soll alles versuchen und erst im Laufe des Projekts seine feste Position im Team etablieren.

Das Radio-Studio findet sich in einem IT-Raum der Schule, bei dem die Computer mit Audacity bespielt wurden. Neben den Computerplätzen finden sich hier auch reguläre Arbeitsplätze, an denen dann die Beiträge geplant und besprochen werden.

Neben den wöchentlichen Sitzungen gibt es für die Report-Teams oft Sondereinsätze wie Dokumentation eines Verkaufs in der Pause, Lehrer-Interviews, Grußbox etc.

Die SchülerInnen wurden am Anfang des Jahres in die wichtigsten technischen Aspekte, wie Bedienung des ZOOM-Aufnahmegerätes, eingewiesen und gehen nun weitestgehend eigenständig mit den Geräten um.

Ablauf

Die Produktion einer Folge ist in mehrere Teile gegliedert:

1.Redaktion/ Planung

Das ganze Team trifft sich und plant die neue Folge. Wichtig ist hier der aktuelle Schullebens-Bezug: Was ist gerade aktuell?, welche Veranstaltungen finden statt? etc.

Sind Themen gefunden, werden die Reporter-Teams eingeteilt. Hier wird darauf geachtet, zu rotieren, so dass jedes Radio-Mitglied mindestens einmal jeden Teil der Sendung mitgemacht hat.

In der Regel werden die Radio-Mitglieder zu zweit losgeschickt, einerseits, um eine Person für die technische Seite der Aufnahme abzustellen, andererseits, um im Krankheitsfall immer noch produzieren zu können.

2. Produktion I

Hier werden die „Außentermine“ bearbeitet, was meist außerhalb der regelmäßigen Treffen stattfindet, also Interviews, Berichte vor Ort, Geräusch des Monats…

3. Redaktion II

Die gesammelten Beiträge werden gemeinsam gehört und die passenden Moderationstexte formuliert.  Auch die Auswahl, welche Teile – etwa der Grußbox oder der Statements in einer Umfrage – in die Sendung kommen, wird hier im Team getroffen.

4. Produktion II

Die Moderationstexte und Interviewfragen werden eingesprochen und der Rohschnitt begonnen.

Zu den technischen Aspekten möchte ich auch hier noch einmal auf den Blog-Beitrag verweisen.

Veröffentlichung

Nach Beendigung des Schnitts wird die gesamte Sendung als .mp3 gespeichert und an den Webmaster der Schulhomepage gesandt. Hier wird sie dann auf einer eigenen Unterseite hochgeladen und kann dort von den Besuchern der Website angehört werden.

Auf der Website selbst ist das Logo des Radios zu finden, das mit den schuleigenen Maskottchen arbeitet, wie auch noch einem zweiten Logo, das zum Thema Zungenbrecher einen kleinen Cartoon präsentiert.

Innerhalb der Schule wird die Sendung durch Plakate angekündigt und in zwei „Radio-Pausen“ im Mehrzweckraum der Schule interessierten Schülerinnen und Schülern präsentiert. Dies hat sich als sehr wichtig und erfolgreich herausgestellt, die Reaktion war jahrgangsübergreifend sehr positiv und die Radio-Mitglieder konnten so auch direktes Feedback auf ihre Arbeit erhalten.

Insgesamt ist das Feedback auf die Sendungen sehr positiv, sowohl von Schüler-, als auch von Lehrer- und Elternseite.

In näherer Zukunft wird noch ein weiterer Kanal zur Veröffentlichung hinzukommen: Zwei Schüler der Radiogruppe konnten in einem zweiten Wahlfach eine Radio-App für Android-Smartphones entwickeln, mit der man direkt auf die Sendungen zugreifen kann.  Hiermit ist zu erwarten, dass ein noch größerer Zuhörerkreis erreicht werden kann.

Schlagwörter: Audio

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.