“Here´s my story” – Das multimediale Geschichtenprojekt des Bayerischen Rundfunks

Ein Projekt von Felix Reichel (Medienexperte)

Jugendliche mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln erzählen bei “Here’s my story” multimediale Lebensgeschichten: Wer bin ich, wo sind meine Wurzeln, was ist mir wichtig, wo liegen meine Stärken? Durch “Here’s my story” reflektieren Jugendliche in der Berufsorientierung ihre kulturelle und biografische Identität und entdecken dadurch Lebensziele. In einer Projektwoche entwickeln sie „ihre” multimediale Geschichten und erwerben dabei nicht nur Medienkompetenz, sondern auch Selbstbewusstsein: „Ja, das ist meine Geschichte!” “Here’s my story” wurde 2013 mit dem Sonderpreis „Jugend” des Bayerischen Integrationspreises ausgezeichnet.

Eignung: Mittelschulklassen ab Jahrgangsstufe 8. Dieses Projekt wurde in einer GTK 8 in Nürnberg durchgeführt.
Dauer: Die Durchführung an der Schule dauert eine Woche. Dazu kommen eine 2-tägige Lehrerfortbildung, sowie eine ca. 2- bis 3-tägige Vor- und Nachbereitung (Organisation durch die Lehrkraft an der Schule & Get together am Anfang und am Ende des Projekts, in München).
Ausstattung: Wird vom BR-Team gestellt. Man braucht jedoch Audiogeräte, PCs und digitale Fotokameras.
Die Gruppe benötigt während der gesamten Woche drei Räume:

  • einen PC-Raum mit einem Rechner pro Schüler, einer Audioschnittsoftware (kostenlos: audacity.de), einer Videoschnittsoftware (z.B. premiere elements oder magix academic suite) und einem Kopfhörer pro Schüler
  • einen Audio-Aufnahmeraum (möglichst nicht zu groß und ruhig)
  • ein Fotostudio.

Sinnvoll ist es, Systembetreuer vorzuwarnen, dass sie ggf. gebraucht
werden.

A. Vorbereitung

Bewerbung unter mystory@br.de

B. Durchführung

  1. Lehrerfortbildung in München (2 Lehrkräfte, 2 Tage)
  2. Auftaktveranstaltung in München (Get together)
  3. Vorbereitung in der Schule (siehe Manual / Merkkarte) durch die Lehrkraft: Absprache mit der Schulleitung, Räume buchen (siehe Ausstattung), Klassenräume umgestalten, Kollegen und Eltern informieren, Klasse informieren, evtl. kreative Schreibübungen
  4. Durchführung der Projektwoche:
    Tag 1: storycircle – jeder Schüler erzählt den Gruppenmitgliedern seine Geschichte. Anschließend gibt es Zeit, Fragen zur Geschichte und der erzählenden Person zu stellen. In maximal 300 Worten wird die Geschichte aufgeschrieben.
    Tag 2: Audioaufnahme – mit der eigenen Stimme nehmen die Autoren ihre Geschichte auf und schneiden den Beitrag selbst.
    Tag 3: Bilder suchen oder selbst erstellen – die Schüler recherchieren, fotografieren oder bringen Bilder zu den Stimmungen der Geschichte mit. Musik und Geräusche – die Schüler nehmen Musik und Geräusche selbst auf oder recherchieren auf GEMA-freien Portalen, um sie als Untermalung ihrer Geschichten einzusetzen.
    Tag 4: multimediale Story erstellen – alle Dateien (Bilder, Audio, Musik, Geräusche…) werden mit einem Videoschnittprogramm zusammengestellt.
    Tag 5: Präsentation – jede Geschichte wird der Gruppe präsentiert.
  5. Abschlussveranstaltung in München: Treffen mit Projektpartnern, Präsentation ausgewählter Ergebnisse, Führung durchs Funkhaus, …

C. Evaluation

Bei den Schülern war während – und v.a. im Anschluss an die Projektwoche ein deutlicher Kompetenzzuwachs zu verzeichnen:

  • Sprachkompetenz / Deutsch: Entwickeln und Schreiben von Texten, Sprechen / Präsentation
  • Technische Medienkompetenz: Umgang mit unterschiedlicher Software zur Audio- Video- und Bildbearbeitung
  • kreative Medienkompetenz: Mit welchen Mitteln wird welche Wirkung erzielt
  • rechtliche Medienkompetenz: Was darf man im Netz und was nicht?
  • ethische Medienkompetenz: Was gebe ich von mir preis?
  • Selbstkompetenz: Berufsorientierung, Projektorganisation (auch nutzbar als Vorbereitung für die Projektprüfung); am Ende hat jeder Teilnehmende seinen eigenen
    Film, der auf br.de veröffentlicht wird.
  • Sozialkompetenz: Teamfähigkeit, Empathie, Zuhören und Verständnis für andere Menschen und andere Kulturen

Lessons learned – Tipps und Tricks für Nachahmer

  • Die Zusammenarbeit mit dem BR ist einfach toll. Das ganze Team und v.a. auch die Mediencoaches vor Ort bringen viel Geduld und Verständnis für die oftmals nach außen hin etwas eigenartige Schulwirklichkeit mit. Durch die reichhaltige Erfahrung der Coaches ist eine Durchführung des Projekts sehr einfach. Die größte Hürde ist hierbei
    eher die Bewerbung, da dieses Projekt sich durchaus einiger Beliebtheit rühmen kann. Mein Tipp: Man muss es nur machen!
  • Ohne die Hilfe des BR wird es schon schwieriger. V.a. in zwei Bereichen sollte eine Schule gut aufgestellt sein:
    1. Man Power & Know How – deshalb werden ja im Vorfeld zwei Lehrkräfte pro Schule         ausgebildet. Diese müssen dann aber – genau wie in der Pilotwoche – eine Woche vom     Unterricht frei gestellt werden, um in Ruhe arbeiten zu können. Dies klingt einfacher,       als es ist.
    2. Ausstattung: Da das Projekt sich ja im Besonderen an Mittelschulen richtet, ist dies            auch oft schwierig. Man braucht mehrere Aufnahmegeräte, PCs mit Audio- und                  Videoschnittprogrammen, Digitalkameras, sowie am besten auch einen Scanner und        v.a. einen Internetzugang. Dies ist derzeit leider keine Selbstverständlichkeit an                 Bayerns Mittelschulen.
    Ebenfalls stellt sich das Problem der angemessenen Veröffentlichung. Trotzdem könnte und sollte man das digitale Geschichtenerzählen fest in das Schulcurriculum aufnehmen, da hierbei vielseitig Kompetenzen geschult werden (siehe oben), die mit dem Lehrplan Plus sowieso Einzug in die Klassenzimmer finden sollen.Fazit: Auch bei der Projektprüfung gab es – aus meiner Erfahrung – zunächst viele Vorbehalte, heute ist sie ein fundamentaler Bestandteil des Mittelschulprofils. Dies sollte mit solchen innovativen Medienprojekten ebenfalls geschehen!
Schlagwörter: AudioFotoSonstigesVideo

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