Ein interaktives Gruselhörspiel

Ein Projekt von FELIX REICHEL (Medienexperte)

Die Schüler der achten Klassen der Luitpoldschule sollen fit fürs Berufsleben gemacht werden. Hierbei soll zu den direkten berufsvorbereitenden Maßnahmen eine breitere Schulung von Schlüsselkompetenzen stattfinden. Unterstützt werden die Jugendlichen vom Lehrstuhl für Schulpädagogik mit Schwerpunkt Mittelschule, FAU-Erlangen-Nürnberg. Diese Projektwoche kann von einer einzigen Lehrperson in einer Klasse der Sek I durchgeführt werden.

Eignung: Sek 1. Das Horrorhörspiel entstand innerhalb einer Projektwoche zum Thema Medien-Audio-Sprechen-Körper in einer achten Ganztagsklasse in Ansbach.

Dauer: Das Projekt kann innerhalb von 4 Tagen á 4 Stunden durchgeführt werden.

Ausstattung: 2 Räume – einer zum Arbeiten, einer zum Aufnehmen; mindestens ein digitales Aufnahmegerät, PCs mit Audacity, Internetzugang

A. Vorbereitung

Hilfreich kann es sein, wenn die SchülerInnen bereits in das Audioschnittprogramm Audacity eingeführt wurden (www.audiyou.de). Ebenfalls sinnvoll ist es, wenn Übungen des kreativen Schreibens in der Klasse bekannt sind. Dies beschleunigt den Schreibprozess. Darüber hinaus ist es sinnvoll entsprechende Räumlichkeiten (PC-Raum, Aufnahmezimmer) vorher zu buchen und eine Internetverbindung an den Rechnern sicher zu stellen (v.a. für Musik von www.jamendo.de).

B. Durchführung

In der Projektwoche zum Thema Medien-Audio-Sprechen-Körper werden am ersten Tag Zuhör- und Sprachfähigkeiten durch verschiedene Spiele gefordert und gefördert.
Am zweiten Tag geht es in die Themenfindung für die Projektwoche. Dabei kristallisieren sich verschiedene Neigungsgruppen heraus (Techniker – Autoren – Schauspieler – Geräuschemacher – Interviewer – Rapper …) Daraufhin wird die Klasse in Neigungsgruppen aufgeteilt – einige Schüler beschäftigten sich mit Audacity, andere suchen Musik, schreiben am Skript (Storycircle), denken sich Fragen für die Umfrage aus, setzen sich mit der Technik (Aufnahmegeräte, PC-Schnitt) auseinander, usw.
Am dritten Tag werden sämtliche Audioaufnahmen gemacht: Beispielsweise wird eine Umfrage durchgeführt, ein Rap geübt und eingesungen oder die Texte für die Gruselstory eingesprochen. Dann beginnt die Arbeit an den Rechnern, wobei einige SchülerInnen in die Rolle des Cutters, Mischers und Tontechnikers schlüpfen, während die anderen Schüler zu Redakteuren, bzw. Regisseuren werden.
Am vierten Tag werden die Ergebnisse von Tag 3 präsentiert und während der Redaktionssitzung analysiert – viele Ergebnisse müssen daraufhin überarbeitet werden. Takes werden neu eingesprochen, Geräusche gesammelt, Aufnahmen wiederholt und Texte um- / neugeschrieben. Derweil rödeln die Techniker an den Rechnern.
Tag 5 steht im Zeichen der Reflexion und Präsentation – die Jugendlichen lassen das Projekt Revue passieren, erörtern Pro und Contra – und hören sich die Ergebnisse der einzelnen Gruppen an. Eine Weiterführung des Projekts (Veröffentlichung, Ausweitung, Einstampfen, etc.) wird im Klassenrat diskutiert.

 

C. Evaluation

Bei den SchülerInnen der 8ag war während – und v.a. im Anschluss an die Projektwoche ein deutlicher Kompetenzzuwachs zu verzeichnen:

  • Sprachkompetenz/ Deutsch: sie entwickeln und schreiben Texte
  • Sprachkompetenz /Sprechen / Präsentation
  • Medienkompetenz:
    technisch: Umgang mit Audioschnittsoftware, Recherche im Netz
    kreativ: Mit welchen Mitteln wird welche Wirkung erzielt?
    rechtlich: Was darf man im Netz und was nicht?
    ethisch: Was gebe ich von mir preis?
  • Selbstkompetenz: Was sind meine Stärken und Schwächen, Neigungen und Abneigungen?
  • Selbstkompetenz: Projektorganisation (auch nutzbar als Vorbereitung für die Projektprüfung)
  • Sozialkompetenz: Teamfähigkeit, Empathie, Zuhören und Verständnis für andere Menschen

Lessons learned – Tipps und Tricks für Nachahmer

  • Organisation: Wichtig ist es, dass immer möglichst alle Schüler wissen, was wann, wie und warum zu tun ist. Hierbei hilft eine transparente Struktur, beispielsweise ein Ablauf- und Organisationsplan an der Tafel.
  • Kompetenzen nutzen, Kompetenzen schulen: Viele der Methoden und Techniken können im gesamten Schuljahr angebahnt und genutzt werden. Gerade der Audioschnitt, der Storycircle als Form des kreativen Schreibens und das projektartige, eigenverantwortliche Arbeiten sollten nicht nur einmal im Jahr für eine Woche gefordert & gefördert werden
  • Infos & Absprachen: Viel Zeit und Energie kostet es das gesamte Kollegium über das Vorhaben zu informieren – aber es ist essentiell, damit eine Projektwoche gelingen kann. Es gibt nichts Ärgerlicheres, als einen belegten PC- Raum, wenn Proben das ganze Projekt durcheinanderwirbeln oder verständnislose, da meist uninformierte KollegInnen oder Erziehungsberechtigte.
  • Technik rules: Aufnahmegeräte, PCs, Internet – das muss funktionieren – sonst funktioniert es nicht. Klingt einfach, ist aber so.
  • Besondere Text- und Audioformen erfordern besondere Maßnahmen: Ein interaktives Hörspiel sollte sicherlich nicht von Audio-Anfängern angegangen werden. Hierbei empfiehlt es sich zunächst kleinere Formen, wie etwa eine Umfrage, eine Gedichtvertonung oder ein Interview zu wählen. Der lineare Ablauf erleichtert den Schnitt, die modulare Struktur erfordert stets den Überblick übers Gesamtprodukt.
Schlagwörter: Audio

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