Die Medienwerkstatt – eine Versuchsbeschreibung

So sehr digitale Medien den Unterricht bereichern können, so schwierig ist es manchmal, diese in den Unterricht einzubauen. In vielen Fällen müssen Lehrkräfte Medienprojekte zusätzlich zu ihrem regulären Unterricht durchführen, wodurch sich die Bandbreite möglicher Projekte wegen ihres zeitlichen und organisatorischen Aufwandes verringert. Da ist es günstig, wenn sich Medienformate als dauerhafte Einrichtung etablieren können, wie z.B. Schulradio oder Film-AG. Zwar findet auch hier eine formale Verkürzung statt, gleichzeitig aber auch eine regelmäßige und damit tiefergehende Beschäftigung mit dem jeweiligen Medium. Im Sinne einer möglichst umfassenden Darstellung digitaler Medien an einer Schule erscheint es jedoch sinnvoll, eine Organisationsform zu finden, die eine Beschäftigung mit einer Vielzahl verschiedener Medien in den Mittelpunkt stellt. Die durchaus experimentierfreudige Schulleitung der Knabenrealschule Rebdorf der Diözese Eichstätt ermöglichte mir für das Schuljahr 2016/17 die Einrichtung einer Medienwerkstatt, deren Aufbau und Zielsetzung ich hier beschreiben möchte. Es geht hier also nicht um die Beschreibung eines konkreten Medienprojekts, sondern vielmehr um ein Projekt zur koordinierten Einbindung möglichst vieler Medienanwendungen.

Ansatz

Das generelle Problem ist die Tatsache, dass der Themenbereich „digitale Medien“ so groß ist, dass bei Einzelprojekten im Klassenverband immer nur schlaglichtartig einzelne Facetten dargestellt werden können. Diese Einzelprojekte lassen auch keinen übergeordneten didaktischen Ansatz erkennen, da sie von einem einzelnen Lehrer nur punktuell in einem Schuljahr einsetzbar sind. Dauerhafte Einrichtungen wie das oben erwähnte Schulradio oder eine Film-AG können solche Standards zwar jeweils für sich gesehen etablieren, sind aber zumindest formal etwas eingeschränkt. Außerdem entsteht nur eine sehr geringe Verzahnung mit dem restlichen Schulbetrieb, da diese AGs für sich alleine arbeiten und dann ein eigenständiges Produkt vorlegen. Für mich war es deshalb wünschenswert, möglichst viele verschiedene Bereiche der digitalen Medien so zu nutzen, dass sich deren Reichweite auch auf möglichst viele Kollegen und Schüler an der Schule erstreckt und diese mit in den Themenbereich einbezieht. Dieses Vorgehen sorgt auch dafür, dass der Umgang mit digitalen Medien als Bestandteil des Schulprofils wesentlich besser nach außen sichtbar darstellbar ist, indem zum Beispiel auf der Schulhomepage ein eigener Bereich für die Ergebnisse der Medienwerkstatt eingerichtet wird.

Umsetzung

Zur Teilnahme an der Medienwerkstatt (MW) berechtigt sind Schüler der 8. und 9. Klasse. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, dass Schüler dieses Wahlfach 2 Jahre belegen können und im zweiten Jahr die „Anfänger“ bei der Einarbeitung unterstützen können. Das Wahlfach und seine Inhalte wurden im Schuljahr 2015/16 in den 7. und 8. Klassen vorgestellt, ab diesem Zeitpunkt konnte die Anmeldung erfolgen. Ca. 20 Schüler entschieden sich zur Teilnahme. Ein Computerraum wurde mit der entsprechenden Software (Reaper und Audacity auf jedem Rechner) ausgerüstet, außerdem erhielt die Medienwerkstatt ein Laptop mit einem Schnittprogramm (PowerDirector), 2 Kameras und einen Zoom H4 Field Recorder. Den Schülern wurde gestattet, ihre eigenen Tablets zu nutzen.

Arbeitsweise

Die eigentliche Arbeitsweise der MW besteht aus mehreren Bereichen, die zu jeder Zeit parallel ablaufen können und auch sollen.

  1. Schülerprojekte

Für mich ist es wichtig, dass Schüler im Umgang mit digitalen Medien die für sie sonst übliche Konsumentenhaltung ablegen und zum Produzenten von Medieninhalten werden. Dieser Wechsel der Betrachtungsweise fiel den Schülern der MW zunächst ungemein schwer. Ihnen wurde relativ schnell klar, dass es ohne Inhalte und Ideen keine Umsetzung mit digitalen Medien geben kann. Die Schüler mussten zuerst einmal herausfinden, was sie denn so sehr interessiert, dass sie sich mit der Erstellung von medialen Produkten beschäftigen wollen. Dabei war es notwendig, die Schüler immer wieder auf die Durchführbarkeit ihrer Ideen aufmerksam zu machen, da zu Beginn die eigenen Fähigkeiten überschätzt und die Komplexität besonders beliebter Projekte, wie zum Beispiel App- oder Spieleprogrammierung, unterschätzt wurden. Die Beschränkung auf eher einfache Projekte sicherte zum einen die Vermeidung von Frustrationen seitens der Schüler, zum anderen konnte die MW relativ schnell Ergebnisse vorweisen. Eines der ersten konkreten Ergebnisse war ein Video-Tutorial über den Aufbau eines PCs, das im Informatik-Unterricht eingesetzt werden soll. Auch eine Interviewserie mit den neuen Lehrkräften an der Schule wurde inzwischen begonnen.

  1. Langfristige Projekte

Das zweite Standbein der MW besteht aus Projekten, deren Fertigstellung ohne Zeitdruck ablaufen soll. Dabei können auch sehr komplexe und organisatorisch aufwendige Ideen verfolgt werden. Diese Ideen werden von mir denjenigen Schüler vorgeschlagen, die sich die Bearbeitung eines komplexeren Themas zutrauen. Durch die Zusammensetzung der MW mit Schülern aus 2 Jahrgangsstufen ist es sogar möglich, Projekte anzugehen, deren Umsetzung mehr als ein Schuljahr dauern könnte. Als Beispiel dafür kann man einen Image-Film über die Schule oder die Erstellung von Audio-Guides für Sehenswürdigkeiten der Diözese Eichstätt nennen.

  1. Auftragsarbeiten

Unter Auftragsarbeiten verstehe ich die Erstellung von Medienprojekten für andere Klassen bzw. Kollegen. In allen Konferenzen des laufenden Schuljahres wurde darauf hingewiesen, dass die MW Projektideen anderer Klassen oder Lehrkräfte umzusetzen versucht. Dieses Angebot hat mehrere Vorteile: Die Reichweite von Medienprojekten innerhalb der Schule wird deutlich gesteigert. Viele Kollegen schrecken vom Medieneinsatz aufgrund des für sie schwer kalkulierbaren zeitlichen und technischen Aufwands zurück – eine Problematik, die nun komplett in die MW ausgelagert wird. Den Schülern der MW wird vermittelt, dass ihre Projekte einem Zweck dienen, und dass ihre Arbeit einen Beitrag zum Gelingen der Schulfamilie darstellt. Nicht zuletzt ist die Lernkurve für die Schüler – und vor allem für mich – enorm steil, da ich oft parallel an verschiedenen Medienprojekten arbeite und so in relativ kurzer Zeit Erfahrungen mit der Durchführbarkeit der einzelnen Konzepte machen kann. Bisherige Auftragsarbeiten sind die Erstellung eines Jeopardy-Spiels auf PowerPoint-Basis für das Fach Erdkunde, ein Image-Film für die Fachschaft Französisch zur Wahl des Französischzweiges in der 6. Klasse, sowie ein geplanter Image-Film für die Sportklasse an der KRS Rebdorf. Ebenfalls in Planung ist ein Film über den Neubau der Schule inklusive eines Interviews mit dem Architekten und unter Einsatz einer Kameradrohne. Zu den Auftragsarbeiten gehören auch alle Filmaufnahmen von Events an der Schule, so z.B. vom ADAC-Sicherheitstraining für die 5. Klassen oder von Firmenbesuchen der 9. Klassen, die auf dem digitalen schwarzen Brett gezeigt werden.

Schlagwörter: Sonstiges

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