Das KZ-Außenlager Hersbruck

Wie hält man die Erinnerung an einen Ort lebendig, dessen Spuren verwischt sind? Nun, zum Beispiel indem man  modernen Rezipienten moderne Zugangsmöglichkeiten schafft. Indem man neue Wege findet, seine Geschichte zu erzählen. In den Schuljahren Schuljahr 2010-2012 nahmen 19 Schülerinnen und Schüler des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck an einem Audioguide-Projekt teil, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte des KZ Hersbruck zu dokumentieren. Das KZ Hersbruck, von dem heute kaum noch Spuren erhalten geblieben sind, war das zweitgrößte Außenlager von dem Hauptlager Flossenbürg. In einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft beschäftigten sich die Schüler sowohl mit der Erstellung von Hörbeiträgen als auch mit einem regionalen geschichtlichen Themenkomplex. Die fertigen Beiträge sind seit ihrer Fertigstellung im Internet frei zugänglich.

 

Die Geschichte des Konzentrationslagers Hersbruck

Als sich der Oberstufenschüler Gerd Vanselow Anfang der Achtziger Jahre im Rahmen eines Referats und später seiner Facharbeit mit dem KZ-Außenlager Hersbruck beschäftigte, war er mit seinem Engagement weitgehend allein. Seine Nachforschungen stießen zum Teil auf großen Widerstand der Behörden und der Bevölkerung. Vanselow erinnerte sich in seiner Kindheit von zubetonierten Stolleneingängen gehört zu haben, die in der Nähe des Außenlagers zu finden seien. Diese Stollen wurden von den Häftlingen, die seit Juli 1944 in Hersbruck untergebracht waren, auf der Houbirg für die Rüstungsindustrie angelegt, aber nie fertig gestellt. „Nicht zu übersehen gewesen“ seien diese Häftlinge Zeitzeugenberichten zufolge, wenn sie den Weg zu ihrem Einsatzort (bis zum Doggerstollen 5 km) wie häufig zu Fuß zurückzulegten oder Trümmer beseitigen mussten. Doch die Geschichte des Lagers endete nicht mit dem Krieg. Zunächst diente es als Internment-Camp, in dem die Amerikaner unter anderem hochrangige NS-Funktionäre internierten. Später wurde das Lager der UN-Flüchtlingskommission zur Verfügung gestellt. Ab den fünfziger Jahren wurde das Lagergelände dann zunehmend überbaut. Heute ist das Lager nicht mehr sichtbar, die Reichsarbeitsdienstkaserne, die im Krieg als SS-Kaserne genutzt wurde, wurde nach dem Krieg als Finanzamt umfunktioniert und 2007 abgerissen. Weitere Spuren fielen Baumaßnahmen zum Opfer. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Parkplatz, Tennisplätze und ein neugebautes Finanzamt. Die historische Aufarbeitung verlief zunächst sehr schleppend, so wie man sich in ganz Deutschland der Nazi-Vergangenheit zunächst nur sehr widerwillig stellen wollte. Jahrzehntelang schien das Lager vergessen, lediglich der Initiative Einzelner sind die frühen Ansätze zur Auseinandersetzung mit diesem Thema zu verdanken. 1983 wurde auch ein Gedenkstein am Lagergelände von der DGB-Jugend errichtet. 1999 wurde der Verein „Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“, e. V. gegründet. Im Januar 2016 wurde der Dokumenationsort Hersbruck / Happurg eröffnet.

Projektverlauf

Die beteiligten Schüler brachten zum Teil bereits Vorkenntnisse aus einem früheren Audioguide-Projekt mit. Dies, sowie die Tatsache, dass auch der Nationalsozialismus an sich zum Teil noch nicht von allen Schülern ausführlich im Unterricht behandelt worden war, regte die Schüler untereinander zu einem regen Austausch und gegenseitiger Unterstützung an. Bei diesem Projekt wurde zugunsten eines sehr selbstständigen Arbeitens der einzelnen Schüler auf wöchentliche Treffen verzichtet. Stattdessen wurden Besprechungen bei Bedarf vereinbart. Außerdem fanden in regelmäßigen Abständen „Medientage“ statt, an denen wir fachlich durch die Mediencoaches vom Bayerischen Rundfunk unterstützt wurde. Die Schüler wurden mit den technischen Möglichkeiten der Hörfunkproduktion vertraut gemacht und in das Vorgehen bei Umfragen und Interviews eingeführt. Es ging hier sowohl um die praktische Durchführung (Verwendung eines Windschutzes, die Beachtung von akustischen Störquellen, etc.) als auch die genaue Planung und Abstimmung  im Vorfeld. Nach dieser ausführlichen theoretischen Einführung wurden die Schüler in Kleingruppen mit den Aufnahmegeräten losgeschickt, um Umfragetechniken und den Umgang mit dem Gerät praktisch zu vertiefen. Die Schüler zeigten sich hier als überraschend aufgeschlossen. Als ebenso unproblematisch erwies sich die technische Handhabung der Aufnahmegeräte. Die eigentliche Projektarbeit sollte ebenfalls in Kleingruppen stattfinden. Hier konnten die Schüler aus vorgegeben Themen auswählen oder eigene Themenvorschläge stellen. Für die Schüler geeignete und relevantes Material wurde kopiert und verteilt. Ebenso wurde eine Projekt-Bücherei eingerichtet, in der die Schüler Literatur ausleihen konnten. Im Laufe des Projekts sollten allerdings auch Recherchen im Staatsarchiv Nürnberg notwendig werden. Am zweiten Medientag stellten die Schüler ihre Ideen vor. Die Konzeptvorschläge wurden gemeinsam diskutiert. Im Anschluss sollten die einzelnen Gruppen selbstständig eine Art Projektplan entwickeln und Interviewtermine vereinbaren. Die Projektbetreuung durch die Lehrkraft schloss auch Einzelgespräche mit den Schülern ein. Diese fanden im Laufe der nächsten Wochen statt. Sie bewährten sich unter anderem als sinnvolle Maßnahme, um weniger eigenständig arbeitende Schüler unterstützen zu können. Beim nächsten Medientag wurden die Projektpläne mit den einzelnen Gruppen besprochen und überarbeitet. Des Weiteren wurden den Schülern die rechtlichen Grundlagen bei der Verwendung von Musikstücken erläutert. Es wurden auch die formalen Vorgaben für die Manuskripte (Kopf: Thema, Autoren, Ansprechpartner samt Telefonnummern und Mailadresse, 12 Punkt Schrift, O-Töne: einzeilig und eingerückt) vorgegeben. Zusätzlich zu Zeitzeugeninterviews sollten die Beiträge auch Experteninterviews enthalten. Die dafür geeigneten Ansprechpartner mussten ausfindig gemacht, benachrichtigt und interviewt werden. Die Schüler hatten die Möglichkeit Dr. Eckart Dietzfelbinger vom Dokumentationszentrum in Nürnberg und Dr. Rainer Mertens vom DB Museum Nürnberg zu befragen. Bei der Visualisierung der Beiträge wurde darauf geachtet, dass keine Kluft zwischen Text und Bild entsteht. Die Photos und Gemälde sollen die Wirkung verstärken. Nachdem die Manuskripte ihren Feinschliff erhalten hatten wurden die Beiträge im Studio Franken des BR aufgenommen und gemischt. Der fertige Audioguide ist im Internet als Download zugänglich.

 

Schlagwörter: Audio

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