Coburg erkunden – von Schülern geführt

Ein Projekt von HEIKE OTT (Medienexpertin)

Die Klasse erstellt einen Audioguide der Stadt, wobei sich die Schüler zunächst gemeinsam auf eine Zielgruppe einigen. Jeder Schüler wählt einen in seinen Augen für die Zielgruppe interessanten Ort in der Stadt, fotografiert diesen, bestimmt die Lage auf einem Stadtplan und recherchiert Hintergrundinformationen. Anschließend arbeiten die Schüler in Zweierteams eine der beiden Ideen aus. Dazu formulieren sie ihren Hörbeitrag zunächst schriftlich. Es folgen die Audioaufnahmen und deren Nachbearbeitung. Der Projektverlauf (Projekttagebuch) wird zeitnah in einem dafür eingerichteten Moodle-Forum dokumentiert, Zwischenergebnisse
werden in einer Projektmappe gesammelt. Der Audioguide- Beitrag wird schließlich als MP3 exportiert abgegeben.

Erweiterung:
Jeder Schüler oder ein Zweierteam entwirft ein Faltblatt, das einen sinnvollen Tourverlauf durch die Stadt beschreibt. Dazu wird die Lage der einzelnen Stationen auf einer Karte markiert und der erläuterte Ort durch ein Bild veranschaulicht.

Eignung: alle Schularten, hier: Realschule (9IIIb, IT-Modul I5)

Dauer: ca. 14 Unterrichtsstunden im Fach Informationstechnologie (Modul I5: „Projektorientiertes Arbeiten“) + ca. 5 Unterrichtsstunden Vorbereitung auf die Medienarbeit im Rahmen des IT-Moduls I4 „Multimedia-Integration“: Sensibilisierung für das Thema „Hören“, Einführung in Aufnahmetechnik, Audioschnitt und Gestaltungsmöglichkeiten für Hörspiele

Ausstattung:

  • Headsets, besser Aufnahmegeräte z. B. ZoomH2N, ggf. Handys/Tablets
  • Computer für den Audioschnitt
  • OpenSource-Software Audacity

A. Vorbereitung

In unserer visuell geprägten Zeit erschien zunächst eine Sensibilisierung für das Thema „Hören“ sinnvoll. Dazu wurde mit der Klasse ein Hörrätsel durchgeführt: Die Schüler mussten dabei aus einem freien Tonarchiv zusammengestellte Geräusche erkennen. Anschließend wurde das Kurzhörspiel „Gwendolin“ anhand der dazu angebotenen Arbeitsblätter aus dem Handbuch Medienkunde untersucht.

In einer weiteren Einheit lernten die Schüler mittels Hörspielkaraoke die OpenSource-Software „Audacitiy“ kennen und nutzen. Auf der Website www.audiyou.de werden Kurzhörspiele mit Text und vorgefertigter Audiodatei angeboten, in denen jeweils nur die Rolle eines weiblichen oder männlichen Sprechers fehlt. Anhand kleinschrittiger Videotutorials wird den Schülern gezeigt, wie sie mithilfe eines Headsets die fehlende Rolle
aufzeichnen und die Audiosequenzen an den richtigen Stellen im Hörspiel platzieren. So konnten die Schüler in ihrem individuellen Tempo die Software erkunden und mit recht wenig Aufwand ihr erstes Hörspiel produzieren. Als alternatives Audioprodukt wurde anschließend
ein Audioguide-Beispiel von der Website des Bayerischen Rundfunks vorgespielt.

Da im Laufe des Projekts sicher nicht alle Tonaufnahmen im Computerraum der Schule stattfinden können und die Qualität der Aufnahmen bei der Verwendung von Audiogeräten oft besser ist als bei Handys, wurden in einer dritten Vorbereitungseinheit die Aufnahmegeräte der Schule ausprobiert. Dazu erstellten die Schüler kurze Geschichten aus fünf Tönen/Geräuschen (ohne Sprache). Die Klassenkameraden mussten erraten, worum es in den kurzen Sequenzen geht. Zum Abschluss dieser Einheit wurde das Projektvorhaben vorgestellt. Dazu wurde die Projektaufgabe erläutert, der Zeitrahmen vorgestellt und mithilfe des Making-of-Videos eines Museumsguides gezeigt, was die Schüler in den nächsten Wochen erwartet.

B. Durchführung

Nachdem die Erfahrung aus anderen Projekten gezeigt hat, dass Schüler oft Schwierigkeiten haben, alle geforderten Arbeitsergebnisse abzugeben, erhielten die Schüler gleich zu Projektbeginn eine Art Checkliste, in der alle notwenigen Teilergebnisse aufgelistet waren – unter anderem die Erstellung eines Zeitplans. Zudem wurde vorgegeben, dass jeder Schüler binnen einer Woche seine Audioguidestation festlegen muss, die er/sie bearbeiten möchte. Anschließend hatten die Schüler noch zwei Wochen (inklusive die beiden Unterrichtsstunden) Zeit, den gewählten Ort zu beschreiben und erste Projektideen zu skizzieren.

Als nächstes mussten sich die Zweierteams auf eine Station bzw. eine Projektidee einigen. Da die Informationslage für manche Bauwerke im Internet gering war, unternahm die Klasse in der folgenden Doppelstunde eine Exkursion in die Landesbibliothek, deren Existenz bis dahin einigen Schülern noch nicht bekannt war.

Es folgten die Ferien und eine weitere Woche Projektarbeit, wobei in der Schule jeweils die Doppelstunde IT genutzt werden konnte, um die Hörbeiträge auszuformulieren. Als Hilfestellung erhielten die Schüler Informationen zu journalistischen Formaten sowie Tipps für die Sprache in Hörbeiträgen. Diese Texte wurden anschließend von der Lehrkraft gelesen
und mit Hinweisen versehen, wo der Text schwer zu verstehen ist und wo die Geschichte noch kreativer werden könnte oder nicht nachvollziehbare Gedankensprünge enthält. Diese Hinweise sollten den Schüler zur Einschätzung ihrer bisherigen Arbeit dienen und Ausgangspunkt für Verfeinerungen sein, sie wurden nicht bewertet.

In den folgenden drei Wochen wurden die Hörbeiträge aufgezeichnet und geschnitten. Die Schüler haben sich nicht nur auf die berühmtesten Bauwerke wie die Veste und die Morizkirche beschränkt, auch in Vergessenheit geratene Plätze wie der Hexenturm und eine kritische Auseinandersetzung mit Coburgs Vergangenheit wurden Inhalt der Hörstücke. Peitschenschläge, durchdringende Schreie und laute Wassertropfen in sonstiger Stille lassen den Zuhörer die Situation miterleben.

C. Evaluation

Nach einer arbeits- und zu Beginn diskussionsreichen Projektphase gelang es allen Teams – trotz geringer informationstechnologischer Vorkenntnisse und im Klassenverband eher wenig Interesse an der Arbeit mit Computern – beeindruckende Audiosequenzen zu produzieren. Je greifbarer die Projektergebnisse wurden, desto größer war die Motivation bei vielen Schülern. Sowohl die Entscheidung für das Medium als auch das Thema „Audioguide“ haben sich im Nachhinein als richtig erwiesen.

Erfreuliches Resümee der Schüler war, dass das Projekt zwar zu Beginn nvon Unsicherheit geprägt und insgesamt arbeitsaufwändiger war als erwartet – also nicht nur eine Methode zur Auflockerung des Unterrichts -, dass sie aber am Ende alle stolz waren auf Ihre Ergebnisse. In diesem konkreten Fall hat es sich ungünstigerweise ergeben, dass sich der Projektzeitraum teilweise mit dem eines anderen Projekts überschnitten hat. Die Koordination beider Aufgaben gestaltete sich für die Schüler schwierig.

Obwohl der eigentlichen Projektphase eine Einführung vorangestellt wurde, war die Arbeitszeit knapp. Da die Schüler meist aus unterschiedlichen Orten kamen, wurden kaum Treffen außerhalb der Schulzeit organisiert. Von der ursprünglichen Ergänzungsidee, auch noch ein Faltblatt mit den Stationen zu erstellen, wurde deshalb schnell Abstand genommen. Für die Lehrkraft bedeutet der begrenzte zeitliche Rahmen eine Gratwanderung zwischen Freiraum, Kreativität und der Möglichkeit, aus Erfahrungen zu lernen, einerseits und der Vorgabe eines Orientierungsrahmens und der Schaffung von Voraussetzungen für eine Benotung andererseits. Letztes war auch der Grund dafür, den Schülern zunächst eine Einzelaufgabe zu geben. Dies erscheint nach wie vor ein guter Weg, die Schüler dazu zu bringen, sich mit der Projektaufgabe auseinanderzusetzen. In manchen Teams zog es allerdings anschließend langwierige Diskussionen nach sich, welcher der beiden Ansätze nun
weiter bearbeitet werden soll. Statt die Entscheidung dem jeweiligen Zweierteam zu überlassen, wäre es eine Verbesserungsmöglichkeit, die Schüler in eine Art Wettbewerb zu schicken, in dem nach einer Präsentation die besten Ideen von der Klasse gemeinsam gewählt werden.

Die Rückmeldung zu den ausformulierten Textentwürfen haben manche Schülerinnen als Gängelung und Bevormundung empfunden. Idealerweise hätten die Schüler natürlich ihre Ideen umgesetzt, dann festgestellt, dass das Ergebnis langweilig und/oder der Text schwer verständlich ist, und ihr Produkt noch einmal überarbeitet. Abgesehen von der dafür nicht ausreichend vorhandenen Zeit, muss auch angezweifelt werden, dass viele Schüler die Motivation aufbringen ein für fertig erklärtes Produkt noch einmal zu überarbeiten. Im Nachhinein haben einige Teams anschließend auch zugegeben, dass Sie die Kommentare weitergebracht haben und das Ergebnis so deutlich besser wurde. Auch vor dem Hintergrund einer Benotung erscheint es schwer haltbar, den Schülern über die gesamte Projektlaufzeit keine Rückmeldung zu geben.

Zum Schluss noch ein paar Wunschvorstellungen:
Lessons learned – Tipps und Tricks für Nachahmer

Schön wäre, wenn die Schüler vorab bereits in anderen Fächern und in Form von kleineren Aufgaben den Umgang mit Aufnahmegerät und Schnittsoftware hätten üben können. Die Technik-Hürde wäre so für manche Mädchen niedriger gewesen.

Rund um das Thema Audioguide kann ggf. in Kooperation mit der Stadt ein langfristiges Projekt angelegt werden, das jährlich mit einem neuen Schülerteam erweitert wird um zusätzliche Stationen und neue Zielgruppen. Wenn von Anfang an die Einhaltung von Datenschutz und Urheberrechten berücksichtig wird, könnten diese Hörbeiträge sogar über die Homepage der Stadt für Touristen angeboten werden. Den Schülern aus den unteren Jahrgangsstufen kann das Projekt bereits bei einem Wandertag, der an den einzelnen Stationen vorbei führt, schmackhaft gemacht werden.

Schlagwörter: Audio

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