Medien und Schule

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04.04.2020

Corona Erfahrungsbericht eines Lehrers

von Florian Hartmann

nach gut zwei Wochen digitalen Unterrichts würde ich gerne meine Erfahrungen und einen Überblick über das Feedback der Schüler/Eltern mit Ihnen teilen.

Ich unterrichte in erster Linie Deutsch in einer (eher ländlich geprägten) Realschule, daneben Geographie und fachfremd Biologie. In den beiden letzteren Fächern überschnitt sich der Unterrichtsausfall mit der Vorbereitungszeit für Schülerprojekte, die ich online und per links betreute. Die Erfahrungen damit sind also nicht neu, sondern aus dem normalen Unterrichtsalltag.

Der Deutschunterricht dagegen war eine kleine Umstellung. Hier meine Erfahrungen:

1. Für mich persönlich ergab sich deutlich mehr Arbeitszeit (Vorbereitung, Korrektur), im Durchschnitt etwa acht bis zehn Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche, um allen 85 Schülern meiner drei Deutschklassen einigermaßen gerecht zu werden. 

2. Die Rückmeldung der Schüler ist zwar überwiegend positiv, aber die meisten sehen es nur als Übergangslösung und wünschen sich den Unterricht in der Schule zurück.

3. Viele vermissen – trotz Videokonferenzen – den persönlichen Kontakt und fühlen sich weniger unterstützt als im Schulunterricht. Dazu möchte ich Ihnen gerne ein Zitat aus einer Schülerantwort anonymisiert zeigen:

„Langsam gewöhne ich mich an das Arbeiten zu Hause. Trotzdem freue ich mich wieder auf die Schule. Unsere Aufgaben lassen sich gut bewältigen, man muss halt strukturiert arbeiten (fällt mir nicht immer leicht). Was mich betrifft, finde ich, dass die Lehrer sich sehr viel Mühe geben, uns auf dem Laufenden zu halten. Bezüglich Ihrer Fächer Deutsch und Geographie gibt es keine Verbesserungsvorschläge. Geo habe ich mir angeschaut, und Deutsch arbeite ich dran.Vielen Dank für Ihre Mühen und Ihr schnelles Feedback zu meinen Aufsätzen.“

4. Viele Eltern fühlen sich etwas überfordert, da sie im Homeoffice sind und als Hilfen herangezogen werden. Einige sind genervt, da sie teilweise den PC teilen bzw. den Datenaustausch mit übernehmen müssen.

5. Dennoch sind sicherlich über 90 % der Eltern froh, dass der Unterricht digital weiter läuft und sie zumindest das Gefühl haben, dass die Zeit nicht verschwendet wird bzw. ihre Kinder nichts mehr lernen. Wir bekommen sehr viel Lob! 

6. Bei vereinzelten Schüler treten auch konkrete technische Probleme auf: Sie teilen sich einen Computer mit Geschwistern oder sogar einem Elternteil, das im Homeoffice ist. Dadurch wird die Zugangsmöglichkeit sehr eingeschränkt. Andere sind mit der digitalen Arbeit überfordert. Sie können keine Dateien umwandeln, bestimmte Programme bedienen oder ordentliche Textverarbeitung betreiben. 

Insgesamt sehe ich es ähnlich wie der Großteil meiner Schüler: Es ist eine gute Ergänzung, im Moment der ideale Kompromiss, aber ersetzt den direkten Kontakt und Austausch Lehrer-Schüler nur bedingt. Den Nutzen als Ersatz für den ausgefallenen Unterricht empfinde ich als nicht sehr hoch. 

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