Medien und Schule

Das Bild, der Ton und das Netz

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Vom Rohmaterial zum finalen Audioclip: Audio-Bearbeitung mit AudaCity

Egal, ob für langfristige Projekte wie eine Hörwerkstatt oder einmalige Hörspiel-Produktion im Rahmen des Fachunterrichts – die Aufnahmen müssen im Normalfall stets bearbeitet, also bereinigt, gekürzt oder zusammengefügt werden.

Um hier zu guten Ergebnissen zu kommen, bedarf es überschaubarem Aufwands und Materialeinsatzes – egal für welches Projekt.

Material:

Aufnahmegerät/ Mikrofon

Die meisten Smartphones und Tablets haben bereits integrierte Audio-Aufnahme-Apps, mit denen sich für einzelne Unterrichtseinsätze durchaus akzeptable Aufnahmen erstellen lassen.

Empfehlenswert ist hier jedoch immer der Einsatz eines externen Mikrofons, noch besser zusammen mit einem externen Vorverstärker, wie z.B. das iRig.

Diese ermöglichen es, jedes externe Mikrofon, wie etwa ein SM58 etc., zu benutzen. (Dieses man sich meist bei der Fachschaft Musik oder der Haustechnik ausleihen) Das Signal wird mit Hilfe einer 9V-Batterie vorverstärkt und kann so zusammen mit den meisten Audio-Apps hochwertige Rohaufnahmen liefern.

Extra Aufnahmegeräte, wie die ZOOM H-Serie, sind besonders für Hörwerkstätten oder Schulradios empfehlenswert, da diese gleich einen eigenen SD-Karten-Speicher besitzen und darauf ausgelegt sind, hochwertige Aufnahmen zu liefern.

Mit USB-Mikrofonen kann man auch direkt in unser Schnittprogramm aufnehmen, diese sind oft schon in vernünftiger Qualität sehr günstig zu kaufen, wie etwa das USB-Podcast-Bundle der Firma Thomann.

Datentyp

Der bekannteste Datentyp für Audiodateien ist derzeit die MP3: Hier wird die Datenmenge stark komprimiert, was aber zu Lasten der Audioqualität geht. Für das finale Produkt (das Hörspiel, die Radiosendung…), welches eventuell sogar online zugänglich sein soll, ist die MP3 eine ordentliche Wahl.

Für unser Rohmaterial wollen wir aber die beste Qualität, die sich mit vertretbaren Datenmengen erzeugen lässt. Von daher ist es essenziell, dass unsere Aufnahmegeräte, ob Smartphone, Tablet oder Audiorecorder, so eingestellt sind, dass sie WAV-Dateien produzieren (genaue Bezeichnung: wav, 44,1 kHz, 16bit). Dies entspricht etwa CD-Qualität.

Schnittprogramm

Die Wahl des geeigneten Schnittprogramms ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Zwei Programme lassen sich aber hervorheben:

REAPER: ein professionelles Schnittprogramm, dessen Lizenz etwa $60 kostet, jedoch die Möglichkeit bietet, externe PlugIns und Effekte zu benutzen.

AUDACITY: Ein sehr reduziertes Schnittprogramm, das jedoch für die allermeisten schulischen Einsätze völlig ausreichend ist und zudem als FreeWare kostenlos ist. Alle Arbeitbeispiele dieses Artikels werden von daher mit AudaCity durchgeführt.

Vorbereitung des Schnitts

Hier gehen wir davon aus, dass die Rohaufnahme – egal mit welchem Gerät – bereits erstellt und auf dem Computer gespeichert wurde.

Zunächst öffnen wir Audacity und laden das gewünschte Audio-File in das Programm, das geht einfach per Drag&Drop oder über Datei – Importieren – Ton und hier dann die gewünschte Datei auswählen.

Unsere Beispieldatei ist ein Lehrerinterview, das für die erste Sendung des Schulradios der Realschule Dachau von zwei Schülerinnen durchgeführt wurde. Aufgenommen wurde das Interview mit einem ZOOM H2n Recorder auf einem Stativ.

Umwandlung Stereo – Mono

Da die Schülerinnen, wie sie es gelernt hatten, das Mikrofon auf die Interviewpartnerin gerichtet haben, ergeben sich zwei unterschiedlich stark bespielte Kanäle. Die Fragen werden später noch einmal separat aufgenommen, so dass dies hier keine große Rolle spielt.

Gerade reine Sprachaufnahmen müssen nicht in Stereo gehalten sein, also können wir die Stereospur in eine Monospur umwandeln. Dies vereinfacht uns die Bearbeitung zudem wesentlich.

Spur neu benennen

Weiterhin ist es sehr zu empfehlen, die Spur neu zu benennen, um gerade später die Übersicht über die verschiedenen Spuren nicht zu verlieren. Einfach auf die Spurbezeichnung klicken, im DropDown-Menü „Name“ auswählen und den gewünschten Namen eingeben.

Durchhören

Bevor es mit dem eigentlichen Schnitt losgeht, muss die Spur mindestens einmal komplett durchgehört werden. Unser Beispiel ist mit knapp 3:15 Minuten viel zu lang. Somit müssen die wesentlichen „Highlights“ herausgefiltert werden – es ist damit zu rechnen, dass im Minimum 2 Minuten des Clips im Papierkorb landen werden.

Ich selbst notiere mir beim ersten Hören gerne bereits grob die besten Stellen, denn wenn mir diese auf Anhieb auffallen, haben sie auch für spätere Hörer wahrscheinlich den größten Informationsgehalt. Ich pausiere hierzu immer mal kurz mit der Leertaste, um mir den Zeitpunkt der Stelle aufzuschreiben.

Bearbeitung und Schnitt

Der Übersicht halber habe ich aus dem langen Interview einen kürzeren Ausschnitt ausgewählt, an dem ich beispielhaft die einzelnen Schritte darstellen werde. Der etwa 35 Sekunden lange Ausschnitt beinhaltet sowohl eine Frage der Schülerinnen, als auch die etwas ausführlichere Antwort der Lehrkraft. Im Player ist der markierte Ausschnitt zu hören.

Als erstes kürzen wir den Abschnitt auf die reine Antwort  – es ist ohnehin geplant, die Fragen noch einmal extra aufzunehmen und später einzufügen, also kann man die Frage hier getrost wegschneiden.

Haben wir beim Feinhören den Punkt ausgemacht, an dem die Antwort beginnt (in unserem Beispiel etwa bei Sekunde 6 des Clips), stoppen wir die Wiedergabe mit der Leertaste.

Achtung: Das Stoppen ist ungemein wichtig, da Audacity sonst keine Aktion durchführt!

Ist der gewünschte Punkt gefunden – ein wenig Startzeit bis zu Antwort ist hier wünschenswert – setzen wir mit der Tastenkombination Strg+I einen Schnitt.

Nun können wir die Frage abschneiden: Doppelklick auf die Sektion mit der Frage, so dass diese blau unterlegt ist und dann mit der Löschtaste der Tastatur löschen. Irrtümliches Löschen kann mit Strg+Z rückgängig gemacht werden.

Keine Scheu beim Löschen – Audacity bearbeitet nie die Audiodatei direkt, sondern setzt sich selbst nur entsprechende Markierungen. Die Originaldatei bleibt von allen Aktionen unberührt!

Mit genau dieser Technik – Schnitte setzen mit Strg+I und Löschen – rücken wir nun den „Störern“ in der Aufnahme zu Leibe: Pausen, Füller (wie: „Äh, Ähm…“), Atmungsgeräusche etc.  Um die Störer gezielt zu treffen, kann man die Aufnahme vergrößern, hierzu einfach auf die Lupe mit dem „+“ klicken.

Für feine Positionierung des Schnitts kann man den Abspielbalken mit den Pfeiltasten genau bewegen.

Diese Technik sei nun am ersten Teil der Antwort genauer gezeigt:

Zwischen den Satzteilen „[…] letztes Jahr“ und „kurz vor den […]“, kurz vor Sekunde 3, befindet sich eine Pause sowie ein langer Füller. Diese sollten für das fertige Interview herausgeschnitten werden, da sie das Hörerlebnis deutlich anstrengender machen. Inhaltlich hat dieser Eingriff keine Auswirkungen, aber die Zuhörer können der Aussage wesentlich entspannter folgen.

Kurz vor dem Abschnitt und kurz vor Ende des Abschnitts werden die Schnitte gesetzt.

Der Abschnitt selbst wird per Doppelklick markiert und mit der Löschen-Taste entfernt.

Um den Übergang zwischen den Schnitten fließender zu gestalten, greife ich auf den Effekt „Crossfade“ zurück: Dieser bewirkt, dass der markierte Teil vor dem Schnitt aus- und der markierte Teil nach dem Schnitt zugleich eingeblendet wird. Die Ergebnisse sind nicht immer 100% perfekt, aber wesentlich „glatter“ als ohne diesen Effekt.

Auf diese Art und Weise wurde das gesamte Interview „aufgeräumt“ und sortiert, so dass am Ende nur noch die für den Hörer wichtigen Aussagen übrigblieben.

Gerade bei so einer Schneidearbeit ist es auch unbedingt wichtig, in regelmäßigen Abständen das Audacity-Projekt zu speichern. Es gibt weniger frustrierendes, als nach einer Stunde kleinteiligster Schneidearbeit wieder von vorne beginnen zu müssen!

Am Ende sollte man die fertig geschnittene Datei noch „Normalisieren“, hierbei wird die Lautstärke so angeglichen, dass die lauteste Stelle bei -1db liegt. Dieser Schritt hilft dabei, bei der finalen Montage eine etwa gelichbleibende Lautstärke zu erreichen.

Neuaufnahme der Fragen und Montage

Nachdem die Interviewantworten fertig waren, wurden die Fragen noch einmal mit den Schülerinnen aufgenommen.

Hierbei verwendeten wir das USB-Podcast-Bundle von Thomann sowie Audacity als Recorder.

Die einzelnen Fragen wurden auf ihren Spuren belassen, die Audacity automatisch eingeräumt hat. Anfang und Ende wurden gemäß der vorher gezeigten Technik zugeschnitten und die Frage danach „normalisiert“.

Fragen und Antworten wurden dann mit dem Verschiebewerkzeug, das in der oberen Werkzeugleiste auszuwählen ist, an die gewünschte Position gebracht. Liegen zwei Clips auf verschiedenen Spuren genau aneinander, so zeigt sich an der entsprechenden Stelle eine gelbe Linie – das ist vor allem bei größeren Projekten mit vielen Spuren (wie etwa bei dem Projekt des Beitragsbilds) eine tolle Sache.

Diese Stelle mit den verschiedenen Spuren klingt nun so:

Das gesamte Interview mit allen Spuren, Musikeffekten etc. stellt sich am Ende so dar:

Für die Weiterbearbeitung, etwa zusammen mit anderen Clips, muss das Audacity-Projekt noch als WAV-Datei exportiert werden. Hier geht man auf Datei – Ton exportieren und wählt dann Speicherort, Namen und als Dateityp „WAV 16-bit PC“ aus.

Will man die Datei als MP3 speichern, muss man für Audacity den entsprechenden LAME Encoder herunterladen – das Programm führt einen jedoch durch diesen Prozess. Am Ende muss dann statt WAV nur MP3 gewählt werden und das Programm rechnet die Datei entsprechend herunter.

Das gesamte Interview kann man hier hören:

Die erste Sendung des „Radio Zungenbrecher – Schulradio der Realschule Dachau“ wurde komplett nach dieser Methode in Audacity geschnitten und ist hier zu finden.

 

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